Traurigkeit – mein Schlüssel zum Glück 1

Da ich gerade von der 5 Sekunden Welle der Inspiration ergriffen worden bin (was das heißt, erkläre ich euch in einem separten Blogbeitrag), und ich den Termin beim Tierarzt abgesagt habe, (meine Katze hat das so entschieden), nutze ich die Gunst der Stunde, um diesen Beitrag zu schreiben.

Am 20.01.2021 ist meine Mutter verstorben. Im Juni diesen Jahres wäre sie 98 Jahre alt geworden. Wenngleich ich als „ehemalige Mentaltrainerin“, sicherlich besser darauf vorbereitet war, als jemand, der um dieses Wissen nicht weiß, war ich in keiner Weise darauf vorbereitet, was das wirklich heißt. Denn seine Mama verliert man nur einmal in seinem Leben. Meine Mutter hat mir ein Geschenk hinterlassen, dessen Ausmaß an Wert mir jedoch erst im Verlaufe der nächsten Wochen wahrhaftig bewusst werden sollte.

Ich möchte jedoch von vorne beginnen. Meine Mutter lebte in einem alten Aluwagen in einem ehemaligen Freizeitpark. Im Alter von 50 Jahren verließ sie zusammen mit meinem Vater das „normale“ Leben und sie traten jedes Jahr in einem anderen Circus mit ihrer einstudierten Cowboynummer auf. Ich begleitete sie auf dieser Reise. Doch das soll jetzt nicht Thema sein an diesem heutigen Tag.

Im Sommer 2020 verstarb der geliebte Papagei meiner Mutter, der mit ihr über 45 Jahre zusammengelebt hatte. Da meine Vater nicht mehr lebte, war er wie ein Partner für sie gewesen. Ihr Hund war 2 Jahre zuvor verstorben. Neben dem Papagei gab es noch 2 Katzen, die jede Nacht bei ihr lagen. Nach dem Tod des Vogels ging es bergab mit ihrer Vitalität. Hinzu kam noch, dass sie sich ein Jahr zuvor den Arm gebrochen hatte und nie so wirklich wieder wurde wie zuvor. Beides hat dazu geführt, dass ihre Haushaltsführung, als auch der Lebensantrieb, den ich von meiner Mutter so gut kannte und der sicherlich auch meine Quirligkeit und Energie mit beinflusst hat, immer mehr nachließ. Knapp 5 Monate vor ihrem Tod, musste ich die Tür zu ihrem Wagen aufbrechen, weil sie nicht mehr aus ihrem Bett kam. An diesem Tag wurde sie pflegebedürftig. Meine drei wunderbaren Töchter und ich haben das in gemeinsamer Arbeit übernommen. Sehr hilfreich war die Tatsache, dass eine meiner Töchter Krankenschwester ist. Allerdings hätte keiner sich auch im Traum nur vorstellen können, was es heißt einen Menschen, der gesund und völlig klar im Kopf ist, aber die Alterschwäche ihn Tag für Tag immer mehr dahinschwindne lässt, zu pflegen. Wir alle kamen in den ersten Wochen täglich an unsere Grenzen. Zumal es im Winter dort kein fließend Wasser gab und wir auch keine sanitären Anlagen hatte.

Wir haben das gemeistert. Ich musste Widerstände aufgeben von denen ich noch nicht einmal wusste, dass ich sie hatte. Das dort schon mein Leben eine völlig andere Richtung einnahm konnte ich da noch nicht erkennen. Ich war da noch am kämpfen, irgendwie eine Routine in meinen Alltag zu bekommen, mich mit meinen Würge- und Ekelgefühlen auseinanderzusetzen und mich nicht ganz selbst zu verlieren. Irgendwann gelang mir das und ich stand ganz auf der Seite meiner Mutter, da immer wieder einmal die Frage im Raum stand, sie dort wegzuholen. Immer wenn ein Problem auftrat, fand ich eine Lösung und schlussendlich konnten wir ihren Wunsch dort mit ihren Katzen zu sterben verwirklichen.

Während dieser Zeit gab es aber noch etwas anderes. Liebe. Meine Kinder und ich sind völlig neu zusammengewachsen. Niemand außer uns 4 konnte verstehen, was wir hier mitgemacht und erfahren haben. Wir haben zusammen geweint, gelacht und ab und zu auch gestritten. Wir haben eine ganz besondere Weihnachten mit meiner Mutter gefeiert. Morgens waren 2 meiner Töchter da, abends ich mit der anderen. Immerhin gab es da ja auch noch Corona. Ich habe sehr viele Gespräche mit meiner Mutter geführt und wir sind in Frieden miteinander gekommen. Denn wie es oft so ist, gibt es doch im Leben immer wieder einmal Konflikte, sie verdrängt werden, aber wie ein Schwellbrand im Unterbewusstsein weiterglühen. Als Kind wollte ich meiner Mutter immer ein besseres Leben verschaffen. Leider ist mir das nie wirklich gelungen, außer am Ende, da konnte ich ihr viel vom dem zurückgeben, was sie für mich getan hatte. Und dabei erkannte ich, das sie genau das Leben gelebt hatte, was sie wollte.

Wir haben soviel zusammen gelacht, Musik gehört, aber ich musste auch ab und an mit ihr schimpfen, weil sie sich stur und bockig, wie sie auch sein konnte, nicht an das hielt, was notwendig war, das unsere Pflege so funktionierte, dass sie vor Ort bleiben konnte. Ab einem gewissen Zeitpunkt nahmen wir auch unseren Hausarzt mit an Board, doch es war alles gut, so wie wir das getan hatten. Die letzten Wochen waren emotional sehr aufreibend, weil immer wieder so ein Tag da war, wo wir dachten, sie schafft die Nacht nicht. Wenige Tage vor ihrem Tod nahmen dann die Dinge ihren Lauf, die mich schlussendlich in so eine Verzweiflung gestürzt haben, dass ich mein gesamtes Leben noch einmal hinterfragen und durchleuchten musste. Mit Erfolg, sonst würde ich das hier nicht schreiben können.

Jetzt bin ich allerdings an einem Punkt, wo es Sinn macht für heute aufzuhören, denn sonst wird es so lang an Lesezeit. Unsere Aufmerksamkeit lässt heutzutage sehr zu wünschen übrig und dennoch ist sie essentiell, wie ich in den nächsten Wochen schmerzhaft erfahren „durfte“.

Heute jedoch noch eines: Würde ich sagen müssen was in meinem Leben einer meiner wichtigsten Wünsche war, so wäre die Antwort „Lebensfreude“ erfahren. Bereits vor ungefähr 20 Jahren sagte mir Kurt Tepperein dazu, „Petra, das hast du jetzt mit dem nötigen Ernst gesagt“. Und würde ich weiterhin sagen müssen welche Emotion mich am meisten in meinem Leben begleitet hat, dann wäre die Antwort: Traurigkeit. Das es schlussendlich eine Überdosis unerträglicher Traurigkeit sein sollte, die mich zur Lebensfreude führt, hätte ich mir vor zwei Monaten noch nicht träumen lassen. Fortsetzung folgt…

Ganz liebe Grüße und Blumen der Freude aus meinem Herzen für dich

Petra

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